Bali, wo ein Traum Wirklichkeit wurde – Briefe aus der Ferne Folge/14
Zurück zu den Wurzeln — und von dort aus Neues wachsen lassen 💧🌺🌿
Hey zusammen & schön, dass ihr da seid! 🧡
Willkommen zur 14 Folge Briefe aus der Ferne – meinem Reisetagebuch auf unserer Weltreise.
In diesem Beitrag nehme ich euch mit nach Bali — an einen Ort voller Fahrten durch den Dschungel, geheimnisvoller Tempel, wilder Strände und unerwarteter Begegnungen. Zwischen nächtlichen Malsessions, kleinen Inselabenteuern und Momenten voller Veränderung durften wir nicht nur die Schönheit der Insel entdecken, sondern auch innerlich unglaublich viel erleben und uns von dieser Reise beeindrucken lassen.
Wo ein Traum Wirklichkeit wird 🌿
Endlich sind wir hier angekommen, wo alles begann – in Bali! Damals, in der Schule, habe ich schon davon geträumt, diese wunderschöne Insel zu besuchen. Als ich Erwin kennenlernte, erzählte ich ihm von meinem Traum, und er fragte sofort, ob er mitkommen darf. So wurde aus diesem Traum nach und nach ein gemeinsames Ziel, das wir nun zusammen erleben dürfen.
Und wir haben jetzt schon so viele wunderschöne Länder bereisen dürfen. Und was soll ich sagen? Als ich in Bali am Flughafen ankam und die wunderschönen Gebäude, voller Pflanzen in dieser Edülle sah, dachte ich mir sofort: Hier gefällt es mir. Es roch so gut und das Wetter war wunderschön. Schon als wir zu unserem ersten Hotel fuhren, sahen wir so viele Tempel und riesige Bäume.


Unser erstes Ziel war Uluwatu. Und als wir am Strand ankamen, merkten wir schon, dass hier einiges los war. Doch der Strand war unglaublich schön. Es gab kleine Wasserbecken im Gestein, in die man sich hineinsetzen konnte, und überall lagen kleine Muscheln. Es war einfach atemberaubend. Überall waren Höhlen und versteckte Plätze.




Zwischen Klippen, Höhlen und wilden Wellen 🌊
Einmal gingen wir auch zu einem Strand, an dem man meterweit einer Korallenbucht entlanglaufen konnte, bevor das Wasser begann. Doch vom tiefen Wasser dort hielt man sich besser fern, da die Wellen meterhoch einschlugen. Ich lief den Weg entlang und entdeckte so viele wunderschöne Korallen und Seetiere



Wir sind mit dem Roller über die Insel gedüst und haben dabei die balinesische Kultur hautnah erlebt. Eines ihrer schönen Rituale ist es, dass sie an jeder Straße und vor jeder Tür Opfergaben darbringen. Wir sind auch auf viele Statuen gestoßen, von winzig klein bis riesengroß. Manche sahen richtig unheimlich aus, aber auch beeindruckend, denn sie waren alle aus Stein gemeißelt.


Wir haben dann auch immer mehr über die Kultur der Balinesen erfahren, zum Beispiel, dass sie nach dem Gebet ein bisschen Reis auf die Stirn geben, der dann den ganzen Morgen über dort bleibt. Als ich das zum ersten Mal sah, dachte ich, die Frau vor mir hätte noch Reste vom Frühstück auf der Stirn, aber sie hat mir dann freundlicherweise erklärt, was es damit auf sich hat.
Außerdem haben wir ein fantastisches Restaurant entdeckt, in dem wir immer wieder gerne essen waren.


Einmal nach dem Abendessen fing es plötzlich heftig an zu regnen. Wir fuhren gerade Richtung Zuhause und sahen, wie von Ort zu Ort die Lichter ausgingen. Und als wir ankamen, fiel auch der Strom bei uns aus.
Ihr müsst euch vorstellen, es war unglaublich warm. Wir hatten kein Klima mehr und konnten beide nicht schlafen. Also machten wir die Fenster auf und dann kamen die Mücken auch noch dazu.
Eine schlaflose Nacht voller Kunst und Fieberträume ⛈️
Wir waren deshalb die ganze Nacht wach und ich begann zu malen. Ich habe die ganze Nacht durchgemalt. Und obwohl ich es da noch nicht ganz bemerkte vor lauter Malen, waren wir beide gerade dabei, richtig krank zu werden. Es fühlte sich fast wie ein Fiebertraum an, dieses nächtliche Malen. Doch die Nacht war unglaublich schön. Wirklich unbeschreiblich.
Ich malte in dieser Nacht ein Bild, das ich schon seit Monaten im Herzen trug. Denn auf der Reise durch die Philippinen hatte ich immer wieder kleine Bilder gespeichert. Die Rose, die meterhoch mit dem Wind tanzte und dabei doch ihre Haltung behielt. Eine Lampe mitten im Dschungel, die aussah wie ein UFO. Der wunderschöne Mond mit dem Halo, den wir vom Strand, während unserer Bootsfahrttour, erblicken konnten. Eine kleine Lichterinsel. Und eine Koralle, die ich fest in der Hand hielt, als mich eine Qualle stach.
Und all diese Elemente fanden dann zusammen in einem Bild.
Es war wirklich magisch.

Die geheime Bucht 🗺️
Doch bis der Morgen anbrach, merkten wir schon, dass wir krank wurden. Wir gingen zum Arzt und bekamen Antibiotika und eine Infusion. Und mehr noch, an diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass das Malen unglaublich viel bei mir in Bewegung gebracht hat. Themen, bei denen ich um Einsicht gebeten hatte, kristallisierten sich immer mehr heraus.
Die nächsten Tage lagen wir im Bett. Doch an einem Tag, als es mir schon etwas besser ging, ging ich alleine zum Strand hinunter. Dort fand ich eine kleine Bucht, wo niemand war, außer einem jungen Mann, der ganz konzentriert ein Buch las. Er drehte das Buch immer wieder um, als gäbe es darin ein paar Worte, die er dabei ist, für sich zu entschlüsseln. Es war spannend, ihn einfach dort neben mir zu haben.
Wenn Bilder beginnen, etwas in uns zu bewegen ✨
Auch das Bild, das ich dort malte, war etwas Besonderes für mich. Denn die Idee dafür entstand in Japan. Dort sah ich ein großes Einkaufszentrum, offen gebaut, voller Pflanzen und Blumen, mit wunderschönem Licht, das überall hereinfiel. Die Pflanzen waren mit Lichtern beleuchtet und es fühlte sich wie eine eigene Welt an. Ich begann damals das Bild zu skizzieren und malte dann mit dunkel blauer Tinte darüber. Daraus entstand die Idee, ein Einkaufszentrum zu Mitternacht zu malen.
An der Bucht holte ich also meine Glitzerfarben heraus und begann zu malen. Ich begann die Lichter hervorzuheben und die Räume in dieser Nacht leuchten zu lassen.


Mit der Zeit füllte sich die geheime Bucht jedoch - es kamen sogar Leute und drehten ein Hochzeitsshooting - doch ich malte ungestört weiter und beobachtete manchmal, was so rund um mich geschieht.
Immer wieder kamen Menschen zu mir und fragten, was ich male. Einer davon war Chris, der mir erzählte, dass er von Dubai hier nach Bali gekommen sei. Er hatte sich über zwanzig Jahre ein Business aufgebaut im Bereich Fitness für Hotelketten. Früher kamen täglich zweihundert Menschen herein und nun seien es nur noch zwei oder drei. Er erzählte, dass es momentan eine sehr harte Zeit sei, dass er aber versuche, das Beste daraus zu machen.
Wir sprachen noch eine Weile miteinander, ich wünschte ihm alles Gute und sprach ein Gebet für ihn.
Und eines, das ich immer mehr realisiere, wenn ich draußen male, ist, wie oft Menschen zu mir kommen und mir ihre Geschichte erzählen. Etwas, das ich unglaublich schön finde, weil es mir immer wieder zeigt, wie sehr Kunst verbinden kann.


Zwischen Tempeln und Dschungelwegen 🌴
Ein paar Tage später ging es für uns weiter nach Nusa Lembongan, eine kleine Insel. Wir fuhren mit dem Boot hinüber und eigentlich war der Plan, dort tauchen zu gehen. Allerdings war ich immer noch krank. Erwin hatte sich mittlerweile schon erholt, aber ich war noch immer angeschlagen und so fiel das Tauchen leider ins Wasser.
Aber wir hatten ein wunderschönes Hotel mit Pool und so konnte ich die nächsten Tage draußen am Balkon malen, während Erwin die Insel erkundete.
Was mich an dieser Insel zuerst verwirrte, waren die vielen Tempel. Überall standen wunderschöne Gebäude, die aussahen wie kleine Schlösschen. Und ich fragte mich ständig: Wo wohnen hier eigentlich die Menschen? Überall sind Tempel, aber wo wohnen die Leute?


Einmal machten wir eine Mopedfahrt durch den Dschungel und entdeckten dort ein kleines Dorf. Eine ältere Frau winkte uns zu und als wir zurückfuhren, gab ich ihr ein paar Nüsse. Sie konnte sie zwar nicht essen, aber sie lud uns daraufhin in den Tempel ein, vor dem sie saß.
Als wir hineingingen, bemerkten wir, dass sie dort wohnte. Und erst dann verstand ich, dass in vielen dieser Tempel tatsächlich Menschen wohnen. Das fand ich unglaublich schön.
Wo Kunst Teil des Lebens wird 🎨
Die ältere Dame gab uns dann einiges zu Essen mit. Und obwohl wir uns sprachlich kaum verstanden, hatten wir eine wunderschöne Begegnung miteinander und lachten zusammen.

Generell fiel mir während der ganzen Zeit in Bali auf, wie unglaublich kunstvoll die Balinesen leben. Du findest Kunst hier überall. In jedem Haus, jeder Tür, im Besteck, in den Möbeln, in den Kleidern. Überall steckt Kunst darin, denn sie sind handwerklich so unglaublich begabt und man spürt es überall.
Bei ihnen ist Kunst nicht etwas Zusätzliches zum Leben. Kunst ist Teil des Lebens.
Zwischen zwei Welten 🌓
Und genau das inspirierte mich auch in den Tagen, in denen ich krank war, weiterzumalen.
Besonders in diesen Tagen fühlte ich mich wie zwischen zwei Welten. Einerseits die neue Welt, die ich in meinem Herzen trage und in mein Leben integrieren möchte, andererseits die alte Welt, geprägt von den Dingen, die ich gelernt habe, aber die nicht mehr zu mir passen.
Es war, als hätte ich den Sprung in die neue Welt noch nicht ganz geschafft. Ich spürte auch eine Angst davor, denn von da aus, wo ich stand, sah ich weder die alte noch die neue Welt und der Sprung wirkte wie ein Sprung ins Leere. Doch genau das ist die Sache mit dem Glauben - hoffnungslos voranschreiten und daran zu glauben, dass etwas kommt, auch wenn man es noch nicht sieht.
In dieser Zeit begegneten mir die Themen ehrlich gesagt manchmal wie eine Faust. Ich bemerkte, dass es bei manchen Dingen wirklich darum geht, meinen Boden zu festigen. Das, was keinen Platz mehr hat, auszujäten, um Platz zu machen für das, was wachsen soll.
Denn hinter unseren Ängsten stecken oft auch unsere wahren Wünsche. Und ich glaube, wenn wir diese Angst ansehen, können wir unserem Wunsch wirklich entgegengehen. Denn sonst hält uns die Angst immer wieder zurück.
Und ich glaube, unsere Angst kann uns auch aufzeigen, wo es etwas für uns zu tun gibt, wo vielleicht Veränderung stattfinden soll, eine Grenze gesetzt oder Möglichkeiten für einen neuen Weg überlegt werden sollten.
Und genau das durfte ich in diesen Tagen anschauen. Wo gibt es etwas für mich zu tun? Und wo geht es darum, meinen Glauben zu stärken und mehr Vertrauen zu fassen?
Ich dachte lange Zeit, dass Glauben etwas ist, das manchen zu eigen sei und manche nicht besitzen. Bis ich verstand, dass wir alle glauben - zwar oft unterschiedliche Dinge, doch der Kern des Glaubens liegt in unserer Natur. Darüber hinaus ist Glaube nicht lediglich ein passives Phänomen, sondern ein Prozess, der aktiv geformt, gestärkt oder vernachlässigt werden kann, unabhängig davon, ob es uns klar ist oder nicht.
„Der Geist eines Menschen kann mit einem Garten verglichen werden, der entweder bewusst gepflegt oder sich selbst überlassen werden kann. Doch ob gepflegt oder vernachlässigt – er wird unweigerlich Früchte hervorbringen. Werden keine nützlichen Samen in ihn gesät, dann werden unzählige Samen von Unkraut hineinfallen und weiterhin ihre eigene Art hervorbringen.“ — James Allen
Denn wenn wir Dinge lernen und Erfahrungen machen, speichern wir diese ab. Und manchmal entstehen Wege, die zu Autobahnen werden, weil wir sie so oft gehen. Doch irgendwann merken wir: Dieser Weg tut mir nicht gut und führt nicht dorthin, wo ich eigentlich hinwill. Also gehen wir vom Weg ab, durch Büsche und Sträucher, und dieser Weg ist schwieriger, denn er wurde noch gar nicht betreten. Und weil die Autobahn so groß ist, sind wir schnell wieder verleitet, auf sie zurückzugehen.
Darum meine ich, mit Vertrauen zu stärken: obwohl wir es noch nicht sehen, hoffnungsvoll voranzugehen auf diesem holprigen Weg im Wissen, dass der Pfad sich auslegen wird und schließlich eine wunderschöne Straße daraus wird und der alte Weg verwildert.

Kleine Ausflüge, große Gedanken 🛵
Und an manchen Tagen fiel es mir schwer, daran zu glauben, dass dieser neue Weg sich bilden wird. Denn das Alte tauchte immer wieder auf und ich fragte mich, warum ich schon wieder dort gelandet bin, obwohl ich mich doch schon so oft auf den neuen Weg gemacht habe.
Erwin war in dieser Zeit eine große Stütze für mich. Er sagte irgendwann, wir sollten einfach schwimmen gehen. Also machten wir einen kleinen Ausflug, gingen baden und fuhren über eine gelbe Brücke auf eine andere Insel.



Als wir so durch die kleinen Dörfer fuhren, verstand ich nochmals, dass es einfach Zeit braucht, bis aus dieser Autobahn ein Trampelpfad wird und aus dem Weg, für den man wirklich geschaffen ist, eine neue Autobahn entsteht.
Auch wenn etwas Altes zurückkommt, ist es nie mehr genau wie davor. Es passiert Veränderung – und zwar von innen nach außen. Denn jedes Mal, wenn ich mich für das entscheide, woran ich wirklich glaube, und mich für Vertrauen und Glauben entscheide, wird dieser Weg stärker. Und es beginnt nicht damit, dass der ganze Weg vor uns ausgebreitet wird, sondern damit, dass wir von dem Ort an dem wir gerade stehen einen Schritt nach vorne machen, denn jeder Schritt trägt zum Weg bei.
Und als wir vom Ausflug zurückkamen, kam der Besitzer des Hotels zu uns und sagte, wie froh er sei, dass wir nicht da gewesen waren. Denn er wusste, dass ich immer auf dem Balkon malte. Genau zehn Minuten nachdem wir gegangen waren, stürzte das Dach des Balkons herunter. Genau an dem Ort, an dem ich sonst immer malte.


Sie waren gerade dabei, es zu reparieren, und wir bekamen danach ein anderes Zimmer. Wirklich gut, dass wir diesen Ausflug gemacht hatten.


Das Wassermonster von Devil’s Tear 🐲
Am nächsten Tag besuchten wir den Devil’s Tear, eine Schlucht, an der die Wellen mit unglaublicher Kraft gegen die Felsen prallen. Und das Besondere: Unter der Felswand befinden sich Höhlen und wenn die Wellen dort hineinpreschen und danach wieder zurückweichen, wird das Wasser meterhoch nach oben geschleudert. Es war richtig beeindruckend anzusehen. Fast so, als würde dort unten ein Wassermonster sitzen und das Wasser nach oben pusten.


Danach fuhren wir noch eine Weile durch den Dschungel und das war dann auch schon unser letzter Ausflug auf Nusa Lembongan. Denn am nächsten Morgen würde es für uns weitergehen nach Ubud.


Ubud – auf neuen Wegen 🎋
Am nächsten Tag ging es für uns weiter. In Ubud angekommen bemerkten wir schon, dass ziemlich viel los war und der Verkehr dort brutal ist. Man muss wirklich gut fahren können, wenn man aufs Moped steigt, und Erwin sagte schon, wie sehr er sich auf die ordentlichen Straßen Europas freut.
Doch als wir in unserem Hotel ankamen, waren wir total begeistert. Das Zimmer war wunderschön und das ganze Hotel war wie ein kleines Gartenparadies. Wir hatten einen Pool nur für uns alleine.
Und auch hier sahen wir überall diese wunderschöne Handwerkskunst. Als wir mit dem Moped die Stadt erkundeten, sahen wir Steinhauer, Holzschnitzer, Maler, Weber, Glasbläser, Töpfer, Schneider und Tischler – alle am Werk. Hier ist Kunst wirklich Teil des Lebens und das war so schön zu sehen.

Tempel, Dschungel und neugierige Affen
Erwin und ich fuhren die nächsten Tage viel herum. Wir erkundeten Tempel und schauten uns an, wie die Menschen hier leben. Wir fuhren auch weiter hinauf in die Dörfer, wo es teilweise richtig kalt wurde. Dort sahen wir wunderschöne Gemüsefelder, Reisfelder und den Dschungel.




An einem Tag besuchten wir auch das Monkey Forest Sanctuary. Dort gingen wir wieder tief in den Dschungel hinein. Überall in den Wänden waren alte Steingravierungen, mit denen die Balinesen Geschichten erzählten. Es war wunderschön gemacht.
Wir liefen durch einen alten Tunnel, der ebenfalls aus Stein gehauen war. Überall waren Affen, riesengroße jahrhundertealte Bäume und natürlich: Tempel.




Gerade trat eine Gruppe auf, die einen traditionellen balinesischen Tanz mit Musik aufführte. Als wir den Weg weitergingen und durch die Mitte eines riesigen Baumes hindurchliefen, sahen wir einen Mann, der versuchte, das Essen der Affen zu stehlen, und daraufhin von einem Affen attackiert wurde. Zum Glück passierte nichts, aber dann schrie er laut: „Don’t take their food!“ – „Klaut nicht ihr Essen!“ Es wunderte mich, dass ihm das davor nicht klar gewesen war.


Stimmen, Feuer und uralte Geschichten 🔥
Eines Abends sahen wir uns dann auch einen Kecak Fire Dance an, einen traditionellen balinesischen Feuertanz. Das war unglaublich spannend. Schon der Beginn war beeindruckend, als plötzlich etwa dreißig Männer, in Sarongs gekleidet, herauskamen. Sie begannen zu singen und das ganze Stück wurde ausschließlich durch ihre Stimme geführt. Sie setzten sich in einen Kreis und in der Mitte wurde dann die Geschichte erzählt.

Am Schluss lief ein Mann, der einen Drachen darstellte, durch glühende Kohlen. Das war wirklich fesselnd. Er schleuderte die Glut teilweise so nah in Richtung Publikum, dass wir richtig aufpassen mussten.
Sie erklärten uns danach auch, dass davor gebetet wird und dass es wichtig ist, ohne Angst und sehr präzise durch das Feuer zu gehen. Außerdem verwenden sie Kokosnussschalen, wodurch die Glut zwar weniger heiß wird, aber es ist trotzdem echtes Feuer. Es war wirklich beeindruckend.
Balinesisches Handwerk beim Kaffee ☕️
Am nächsten Tag gingen wir zur Immigration, weil wir noch einen weiteren Monat in Bali bleiben wollten. Das lief alles ganz unkompliziert.
Als wir danach unseren Tank auffüllten, sprach uns plötzlich ein Mann auf dem Moped an. Er erzählte uns, dass er eine Kaffeeplantage hat, und fragte, ob wir vorbeikommen möchten. Sein Name ist Ketut und wir fuhren ihm dann mit dem Roller nach.
Dort angekommen zeigte er uns seine Kaffee- und Teeplantage und erklärte uns auch den berühmten Luwak-Kaffee, ein traditioneller Kaffee, den es nur in Bali gibt. Die Luwak-Tiere essen die Kaffeebohnen und scheiden sie danach wieder aus. Die Bohnen werden anschließend gereinigt und geröstet und dadurch entsteht ein ganz besonderer Geschmack.




Er erzählte uns aber auch, dass dieses Geschäft mittlerweile oft problematisch geworden ist, weil manche Tiere nur dafür gehalten und schlecht behandelt werden. Bei ihm sei es jedoch ein kleines Familiengeschäft und die Tiere würden nach einigen Monaten wieder freigelassen.
Wir probierten alle möglichen Tees und Kaffees und hatten ein richtig schönes Gespräch mit ihm
.
Danach zeigte er uns auch noch die Silberschmieden. Dort sahen wir, wie aus Silber unglaublich detaillierter Schmuck und kleine Kunstwerke gefertigt wurden. Manche Stücke waren so fein gearbeitet, dass sie mehrere tausend Euro kosteten. Andere wiederum waren ganz günstig.


Die Handwerkskunst dort war wirklich unglaublich.
Wir besuchten auch einmal einen Garten, dessen Holzschnitzereien ihn ganz besonders machten. Ein Junge kam zu uns und für 2 € bot er an, Fotos von uns zu machen - wir dachten zuerst, dass dabei nicht viel rauskommt, doch er war richtig talentiert und wunderschöne Fotos kamen heraus.



Dahin zurück, wo alles begann 🌺
Die nächsten Tage verbrachte ich viel Zeit mit dem Malen am Pool. Wie im Dschungel, zwischen all den Pflanzen, begann ich einen Malkurs, wobei es darum geht, mein Fundament als Künstlerin zu legen und von da aus richtig aufzublühen.


Und meine Malinspiration war passend zum Thema: Ich will 45 Blumenbilder kreieren, auf der Hinterseite sind Gebete geschrieben, die zu meinem Ritual werden sollen. Es ist passend zum Thema, weil mit Blumen alles begann.
Ich erinnere mich noch ganz genau daran. Es war während Corona und ich hatte aufeinmal so viel Zeit, die Welt, in der ich davor navigierte, war versperrt und so begann ich etwas Neues. Also malte ich mit Neonmarkern ein Blumenbild, aus Neugier, was dabei entsteht. Schon davor hatte ich oft Blumen mit Kugelschreiber oder Bleistift gezeichnet, besonders in der Schule, wenn mir langweilig war. Aber ich dachte nie wirklich darüber nach.
Doch bei diesem einen Bild passierte plötzlich etwas. Da kam auf einmal eine Inspiration und eine Neugier hoch. Ich dachte mir: Was geht da noch? Was könnte ich noch alles mit Farben machen? Und besonders stark war das Gefühl, das ich während des Malens hatte. Ich tauchte ab in eine komplett andere Welt, die mir aber nicht fremd war, nur sehr lange lag sie verborgen.
Ich weiß noch, wie ich damals mit meiner Mama Farben einkaufen ging und sie zu mir sagte, wenn ich in einem Jahr nicht mehr malen würde, dann müsste ich ihr jeden Cent zurückzahlen.
Und Jahre später lachten wir noch darüber, dass sie dieses Geld wohl nie wieder sehen würde. Denn mit diesem Moment begann etwas, das mein Leben verändert hat, doch das hätte ich damals nie so geahnt.
Und so ging ich jetzt mit diesen Blumenbildern auch wieder zurück zu dem Punkt, an dem alles begonnen hatte. Und gleichzeitig zu dem Ort, wohin es noch gehen darf.
Hoch oben zwischen Reisfeldern und Regenschauer 🌾
Nach einigen Maltagen machten Erwin und ich einen Ausflug zu den Reisfeldern. Ketut hatte uns empfohlen, den Ort zu besuchen. Wir fuhren also den Berg hinauf und es wurde zunehmend kälter, aber gleichzeitig auch immer grüner und ruhiger. Überall erstreckten sich riesige Reisfelder. Es war unglaublich.


Als wir ankamen, waren wir sprachlos von der Aussicht und dieser Ruhe. Als wir herumliefen, sah ich einen Mann, der auf einer Art Xylophon spielte, Namens Tingklik. Er lud mich ein, mitzuspielen, und es war wirklich spannend. Die Klänge waren ganz besonders. Dabei merkte ich auch, dass mir Rhythmus und Ton nicht ganz so leicht von der Hand gehen
.
Wir fuhren dann auf die höchste Stelle des Berges hoch und setzten uns hin. Wir hörten die Geräusche des Dschungels und mir wurde klar, dass ich gerade tausende Kilometer entfernt von Zuhause bin, in einem fremden Land - was für ein Abenteuer!
Als wir wieder zurück runterfuhren, begann es plötzlich richtig stark zu regnen. Wir saßen dann für ein paar Stunden fest und spielten Karten, bevor wir wieder weiterfahren konnten.
Wir besuchten auch immer wieder gerne Wasserfälle. Ich liebe Wasserfälle einfach. Für mich fühlt es sich jedes Mal so an, als würde man noch einmal auf eine ganz andere Weise in die Natur eintauchen.
Erwin sprang dort auch gerne von Klippen herunter. Ich hingegen vermeide das so gut es geht. Ich erinnere mich noch an das Canyoneering auf den Philippinen, bei dem das Klippenspringen Teil des ganzen Ausflugs war. Ich war damals den ganzen Tag nervös. Es war zwar cool, aber ich hoffte nach jedem Sprung einfach nur, dass es jetzt der letzte gewesen war.



Heimat, Zukunft und unser Jahrestag 🎊
Dann kam auch schon unser Jahrestag am 29. April. Ich plante einen Ausflug für uns und wir gingen zuerst in ein Museum. Dort lernten wir auch ein paar richtig coole Papageien kennen. Einer von ihnen wollte ständig auf unsere Hände klettern. Und als er mein Haargummi entdeckte, biss er so lange darauf herum, bis er es tatsächlich abbekam. Danach gehörte es natürlich ihm und wurde sofort zu seinem neuen Spielzeug eingeweiht.



Am Nachmittag malten wir zusammen. Wir wollten zwei Bilder zu einem gemeinsamen Thema malen. Erwins Idee war „Heimat“. Er malte Berge und ich malte mein zukünftiges Atelier. Ein Raum voller Erinnerungen und Inspirationen, die ich auf dieser Reise sammeln durfte.
Und wie man vielleicht schon merkt: Erwin möchte langsam wirklich wieder nach Hause. Er hat richtig Heimweh. Er vermisst seine Familie, seine Freunde, aber vor allem seine Arbeit sehr. Ich freue mich ebenfalls unglaublich darauf, nach Hause zu kommen, aber gleichzeitig freue ich mich auch noch auf diese letzten Monate hier in Bali und Australien.
Zuhause wartet bereits so viel auf uns. Erwin beginnt eine neue Schule, startet einen neuen Job und ich beginne mit meinem Atelier und einer Lehmausbildung. Es laufen schon jetzt so viele Projekte und wir freuen uns wirklich riesig auf unsere Rückkehr.
Wenn Orte sich verändern - und die Menschen mit ihnen 🎎
Und dann war unsere Zeit in Ubud auch schon vorbei und wir fuhren weiter nach Sidemen. Während der Taxifahrt kamen wir mit unserem Fahrer ins Gespräch und redeten über Ubud und darüber, wie sehr sich der Ort in den letzten Jahren verändert hat.
Schon während unserer Zeit dort hatten wir manchmal das Gefühl, dass hinter der schönen Kulisse aus Cafés, Boutiquen und Reisfeldern noch eine ganz andere Seite steckt. Natürlich begegneten wir auch unglaublich herzlichen Menschen, wie Ketut zum Beispiel. Trotzdem wirkte Ubud auf uns stellenweise hektisch und irgendwie erschöpft.
Unser Fahrer erzählte uns, dass Ubud früher hauptsächlich aus kleinen Dörfern und Reisfeldern bestand. Mit dem Tourismus kamen immer mehr Hotels, Restaurants und Geschäfte. Viele Familien, die früher mitten in Ubud lebten, wohnen heute weiter außerhalb.
Während er sprach, merkte man, dass ihn diese Entwicklung nachdenklich machte. Natürlich bringt der Tourismus Arbeit und neue Möglichkeiten mit sich — gleichzeitig hat sich das Leben für viele Menschen aber auch verändert. Alles wurde schneller, teurer und hektischer, denn während der Tourismus wächst, wird es für sie schwerer, ihren Lebensstandard zu erhalten. Dann sagte er einen Satz, der uns im Kopf blieb: „Vor zwanzig Jahren sah Ubud aus wie Sidemen.“
In diesem Moment wurden wir richtig neugierig. Was wohl in Sidemen auf uns wartet?
Und genau das erzähle ich euch im nächsten Teil – und auch, was sich als einer der besonderen Orte auf unserer Balireise herausstellte.
Empfehlungen & Gedanken
Jeder Ort in Bali hatte für uns eine ganz eigene Stimmung. Uluwatu war wunderschön und voller beeindruckender Strände, Klippen und Sonnenuntergänge — gleichzeitig aber auch sehr touristisch und oft ziemlich belebt.
Nusa Lembongan fühlte sich dagegen viel ruhiger und idyllischer an. Für mich wirkte die Insel fast wie ein kleiner Rückzugsort, besonders wenn man gerne taucht oder einfach das Inselleben genießen möchte.
Ubud wiederum war unglaublich spannend, weil man dort so viel von der balinesischen Kultur, Kunst und dem Handwerk erleben kann. Gleichzeitig merkt man aber auch, wie stark der Ort mittlerweile vom Tourismus geprägt ist.
Trotzdem hatte jeder dieser Orte etwas ganz Besonderes und genau diese Mischung machte Bali für uns so unvergesslich.

Danke, dass du hier bist.
Wenn du etwas für dich mitnehmen konntest, ist das ein Geschenk für mich. Ich freue mich auf alles, was kommt – auf unsere Gedanken, Begegnungen, Abenteuer. Ich sende dir eine Umarmung und ganz viel Liebe.
Von Herzen, Deine Fiona 🧡🌿
Lass uns in Verbindung bleiben ✨📡🪻
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