Japan und eine neue Welt – Briefe aus der Ferne /Folge 12
Ab ins kühle Japan – in eine neue Welt voller Kultur und staunender Momente 🎐✨
Hey zusammen & schön, dass ihr da seid! 🧡
Willkommen zur zwölften Folge Briefe aus der Ferne – meinem Reisetagebuch auf unserer Weltreise.
In diesem Beitrag nehme ich euch mit auf unsere Reise durch Japan – eine Reise zwischen Ordnung und Chaos, zwischen alten Traditionen und neuen Eindrücken, sowie eine Reise in die Kunst Japans. 🌿✨
Erwin & ich sind mittlerweile schon seit fast zwei Monaten in Japan, doch ich möchte euch gerne mitnehmen an unseren ersten Tag, den wir in Tokio verbrachten.
Vom Flieger aus sind wir von den Philippinen nach Tokio geflogen. Wir kamen in der Nacht an und spürten zum ersten Mal seit über einem halben Jahr wieder die kalte Luft. Davor waren wir immer an Orten, die sehr warm waren, doch diesmal sind wir an einen kalten Ort gekommen, denn Tokio erlebt gerade noch den Winter.
Und vielleicht war genau das schon der erste leise Übergang. Von außen in eine neue Welt – und gleichzeitig auch ein Stück nach innen.
🌿 Die Stille, die etwas in mir verändert
Wir kamen in einem kleinen, süßen Zimmer an, und am nächsten Tag ging es für uns schon los. Zuerst liefen wir einmal durch das kleine Dörfchen, in dem wir waren. Es war überraschend ruhig und es fühlte sich wie eine ganz andere Welt an.


Auch im Zug bemerkten wir schnell, wie ruhig es ist, denn die Leute hier geben sehr aufeinander Acht, sind rücksichtsvoll und alles wirkt sehr ordentlich. Sogar die Toiletten am Bahnhof sind sehr sauber und sogar beheizt.
Diese Ruhe hat etwas mit mir gemacht. Sie war nicht nur außen – sie begann auch innen Raum zu öffnen.


✨ Kleine Dinge, die plötzlich besonders werden
Wir fuhren in die große Stadt, um frühstücken zu gehen. Ich habe nämlich ein Lokal entdeckt, das angeblich die berühmtesten French Toasts in ganz Japan macht. Was wir dort vorfanden, als wir ankamen, war etwas, das uns in Japan noch oft begegnen sollte: eine lange Schlange.
Denn wenn man essen geht, muss man häufig lange warten und anstehen, bis man überhaupt in den Laden reinkommt. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass die meisten Läden in Japan ziemlich klein sind.
Doch als wir dann endlich saßen und unseren Cappuccino zusammen mit dem French Toast bekamen, freuten wir uns riesig, denn er war unglaublich lecker.


🌳 Ein Park, der mehr wurde als ein Ort
Wir machten uns dann weiter auf den Weg durch die Stadt und entdeckten dort einen Park. Wir liefen etwas herum und sahen lauter Leute am Boden picknicken. Zuerst dachten wir, dass sie verrückt sind, denn es ist immer noch so kalt hier.
Doch dann probierten wir es selbst aus und bemerkten, dass der Boden sehr warm ist. Das Gras speichert die ganze Wärme und so konnte man hier perfekt picknicken.
Ich bin dann immer wieder sehr gerne zu diesem Park gekommen, denn seit wir aus den Philippinen geflogen sind, sind bei mir immer wieder Tränen hochgekommen vom Tod meiner Mama.
Und hier in Japan hatte ich das Gefühl, als wir angekommen sind, dass dies eine Zeit ist, in der ich noch einmal viel fühlen und verarbeiten darf.


🎼 Musik als Raum zum Fühlen
Ich höre in letzter Zeit sehr gerne klassische Musik, vor allem Beethoven, und ich habe das Gefühl, sie eröffnet mir einen Raum, in dem ich diese Gefühle wirklich fühlen und verarbeiten kann, die damals noch zu viel waren.
Es ist irgendwie seltsam, denn diese Musik hat so viel in mir hervorgebracht und so viel aufgerufen. Und manchmal scheint es immer noch zu viel zu sein, wenn sich die Gefühle häufen und ich das Gefühl habe, ich schaffe das nicht.
Doch in dem Moment, in dem ich mich wieder auf den Moment besinne, einmal tief durchatme, fängt mich die Musik auch schon wieder auf.
„Die Musik ist die Vermittlerin zwischen dem geistigen und dem sinnlichen Leben.“ — Ludwig van Beethoven
🎨 Auf der Suche nach Ausdruck
Später gingen wir noch einmal auf Erkundungssuche in der großen Stadt, denn ich hatte eine Mission: Fude-Pinsel zu finden.
Diese Pinsel stammen aus der japanischen Malerei, einer meditativen Kunstform, die durch einfache Pinselstriche das Essenzielle hervorbringt und wunderschöne Bilder entstehen lässt, besonders mit Tinte und Aquarell.
Ich fand dann relativ schnell einen Laden und holte mir ein paar. Danach kamen wir an einen Einkaufsladen, in dem ganz oben eine kleine Galerie versteckt war.
Dort sahen wir uns die Bilder an. Es waren wunderschöne, bunte Werke von verschiedensten Künstlern, und das inspirierte mich sehr. Zu Hause probierte ich es dann auch gleich selbst aus.
🎎 Geschichten zwischen den Seiten
Am nächsten Tag besuchten wir das alte Buchviertel, ein Städtchen, in dem überall ganz alte Buchhandlungen und Geschäfte sind und zwischen den Straßenseiten offene Buchregale stehen.


Es war wirklich unglaublich, denn es gab kleine Kunstgeschäfte mit sehr, sehr alten Kunstwerken und ganz vielen Kunstbüchlein.
Dort habe ich auch entdeckt, dass die Menschen hier so viel von ihrer Geschichte in Form von Kunst festgehalten haben.
Gerade die Japaner, so wie ich es wahrgenommen habe, legen großen Wert auf Kunst, und später habe ich auch noch herausgefunden, weshalb.
Ich habe mir diese kleinen Büchchen durchgeschaut, und natürlich war die Sprache auf Japanisch. Doch ich finde auch, dass ihre Schriftzeichen eine Kunst für sich sind.
Und auch wenn ich sie nicht verstehen konnte, konnte ich durch die Bilder in den Büchern, der Geschichte folgen.


Wir gingen weiter und überall auf dem Weg standen kleine und große, weite und schmale Buchregale mit neuen und alten Büchern, die einfach offen da standen.
Danach gingen wir in ein kleines japanisches Café, und von dort aus besuchten wir einen Park, in dem wir bereits die ersten Kirschblüten aufblühen sehen konnten.


Später, als es dunkel wurde, machten wir uns auf den Weg, um die Stadt Shibuya bei Nacht zu erkunden. Es war bunt, lebendig und überall war etwas los.


Besonders beeindruckend war die berühmte Kreuzung. Sobald die Ampeln auf Grün sprangen, strömten Menschen aus allen Richtungen gleichzeitig über die Straße – hunderte auf einmal. Ich habe nachgelesen, dass hier manchmal bis zu 3000 Menschen gleichzeitig die Kreuzung überqueren.
Danach gingen wir Ramen essen und machten uns schließlich auf den Heimweg.


Valentinstag
Am Valentinstag machten wir einen Ausflug zu einem alten Tempel, in dessen Park wir anschließend gepicknickt haben. Die Bäume und Blumen um uns herum begannen bereits zu blühen. Während manche noch ganz kahl waren, konnte ich schon an den ersten Blumen schnuppern.
Am Abend hat Erwin für uns zu Hause Wagyu-Steak gegrillt, dazu gab es Avocado-Toast.
In Japan bekommen übrigens die Männer am Valentinstag Schokolade von den Frauen. An einem anderen Feiertag erwidern sie diesen Gefallen und beschenken die Frauen.




✨ Immersive Art
Habt ihr schon einmal von immersiven Kunstausstellungen gehört, Ausstellungen, in die man richtig eintauchen kann?
Das sind Ausstellungen, in denen Kunstwerke zum Leben erwachen, da sie wie bewegte Bilder an die Wände projiziert werden. Dadurch kann man richtig in die Welt dieser Kunstwerke eintauchen und wird für diese Zeit ein Teil von ihnen. Für mich werden diese Geschichten dadurch unvergesslich.
Ich liebe das. Wir haben in Japan eine solche Ausstellung gefunden und ich war total begeistert. Es ist wirklich, als könnte man in das Bild hineinlaufen und in die Geschichte eintauchen.
Diese Geschichte erinnerte mich an die Bilder von Gustav Klimt – einem der Lieblingskünstler meiner Mama – und ich spürte sie ganz nah bei mir.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ — Antoine de Saint-Exupéry




🍶 Golden Gai – eine andere Welt bei Nacht
An unserem letzten Tag machten wir uns auch auf den Weg, um das Golden Gai zu besuchen. Golden Gai ist ein Stadtteil in Shinjuku, der über 200 winzige Bars beherbergt.
Mit winzig meine ich, dass dort teilweise wirklich nur drei bis zehn Menschen hineinpassen.
Diese kleinen Bars entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Gebiet zunächst ein Schwarzmarkt war, an dem die Menschen Essen und Trinken kaufen konnten.
Später entwickelte es sich immer mehr zu einem Treffpunkt, und dass die Bars bis heute so klein sind, liegt auch daran, dass sich viele Menschen damals keine größeren Räume leisten konnten.
Mit der Zeit wurde es immer mehr zu einem Ort des Zusammentreffens, besonders für Künstler und Schriftsteller, und heute ist es ein Ort, an dem man wirklich in die Geschichte eintauchen kann. Außerdem hat jede Bar ein eigenes Thema, was es besonders spannend macht von Bar zu Bar zu ziehen.




🐻 Begegnungen, die man nicht planen kann
Auf dem Weg dorthin hatten wir auch schon einige spannende Begegnungen. Zum Beispiel liefen wir an einer Bar mit einer roten Tür vorbei, aus der wunderschöne Musik herausklang. Wir öffneten sie und vor uns stand ein Musiker am Kontrabass, und im Raum waren vielleicht noch zwei Gäste.
Wir gingen weiter und sahen dann einen großen Bären in einer Bar. Er winkte uns zu und wir kamen hinein. Der große Bär heißt Gerth, und wir kamen sofort ins Gespräch. Er war hierher gekommen, weil er zwei Leute von hier kennengelernt hatte, die ihn durch die Bars führten.

Sie nahmen uns später auch mit und brachten uns zu einer Bar, die etwas weiter entfernt lag, oben in einem Gebäude, ganz hinten.
Als wir hineinkamen, sahen wir lauter Omis. Als sie uns sahen, freuten sie sich riesig.
Sie begannen sofort, uns Essen zu bringen, und als die ersten Teller leer waren, brachten sie noch mehr. Die zwei Guides erzählten uns, dass nicht einmal viele Einheimische von diesem Ort wissen und dass sie sich deshalb jedes Mal so freuen, wenn jemand kommt.
🎤 Musik verbindet alles
Sie holten die Karaoke-Maschine heraus und begannen, mit uns zu singen und zu tanzen. Erwin startete mit „Hooked on a Feeling“, danach Gerth mit „Paradise City“, und ich sang „O sole mio“.
Gerth war total begeistert von dem Song und meinem Engagement, weil seine Familie aus Italien kommt. Daraufhin lud er uns ein, ihn zu besuchen, wenn wir später nach Australien gehen und mittlerweile ist es schon fix geplant und wir freuen uns sehr drauf!
Vor allem die älteste Dame hat so schön gesungen und mitgetanzt. Sie hat so viel Stimmung gemacht und es war unglaublich schön zu sehen.
Wir blieben noch eine Weile. Auch wenn wir mit den Einheimischen kaum sprechen konnten, weil sie wenig Englisch sprachen, hatten wir riesigen Spaß. Wir verständigten uns mit Händen und Füßen und kamen irgendwie immer zum Punkt – und wenn nicht, dann haben wir ihn uns einfach ausgemalt.
In Japan haben wir bisher nur wenige Einheimische getroffen, die fließend Englisch sprechen. Ich habe mich gefragt, woran das liegt, und bin dabei auf die Geschichte Tokios gestoßen. Früher hieß Tokio Edo und war lange ein in sich geschlossenes System. Vielleicht ist Englisch deshalb bis heute weniger notwendig.
Gleichzeitig habe ich auch Menschen kennengelernt, die Englisch sprechen – oft, weil sie im Ausland waren. Denn viele lernen es in der Schule, haben aber wenig Gelegenheit, es wirklich zu sprechen.
♥️ Kyoto - Das kulturelle Herz Japans
Und dann ging es für uns auch schon weiter nach Kyoto, das kulturelle Herz von Japan. Es gefiel uns unglaublich gut. In dieser Zeit haben wir viele Tempel mit wunderschönen Gärten besucht —beziehungsweise ich, weil irgendwann hatte Erwin keine Lust mehr.


Generell haben mir die Städtchen hier unglaublich gut gefallen. Sie besitzen einen ganz eigenen Charme. Überall, mitten im ganz normalen Alltag, begegnet man Tempeln und Spuren vergangener Zeiten. Die Menschen bewahren diese Erinnerungen mit großer Wertschätzung. So bleiben sie nicht nur bis heute lebendig, sondern es entsteht eine ganz besondere Energie – eine, die Tradition und Geschichte spürbar werden lässt.




Besonders ein Garten, ein Zen-Garten, ist bei mir hängen geblieben, denn er hat mich unglaublich fasziniert. Er war für mich wie Meditation in Form, und ich wollte gar nicht mehr gehen.




🏯 Kunst im Kaiserstempel
Ein weiterer Ort, der mich wirklich sprachlos gemacht hat, war der Kaisertempel in Kyoto. Es ist eine riesige Anlage voller alter Gebäude – so wundervoll und bedacht gestaltet, mit feinen Details überall, besonderen Lichtspielen und wunderschönen Gärten.
Man konnte dort tief in eine vergangene Welt eintauchen – oder zumindest einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie es damals gewesen sein könnte.


Besonders die Kunst innerhalb des Kaisertempels faszinierte mich. Denn jeder Raum war ein einziges Kunstwerk.
Überall an den Wänden waren Kunstwerke gemalt, und was mich besonders daran faszinierte, war, dass sie nicht einfach nur als Dekoration dienten, sondern eine Wirkung hatten.
Die Menschen damals glaubten, dass diese Kunstwerke eine bestimmte Energie ausstrahlen – und genau das konnte man auch spüren.
🎑 Räume voller Bedeutung
Manche Räume wirkten ruhig, manche einladend.
Das Schlafzimmer zum Beispiel war mit ganz sanften Farben gestaltet und mit kleinen, feinen Motiven bemalt – alles wirkte beruhigend, fast still.
Dann gab es einen Raum, in dem Botschaften überbracht wurden. Dort waren wunderschöne Bäume zu sehen, die Früchte trugen – ein Gefühl von Fülle, von Leben.
Und dann gab es den Raum, in dem man dem Herrscher zum ersten Mal begegnete.
Dort waren riesige Bäume dargestellt, die eine unglaubliche Stärke ausstrahlten – zusammen mit prachtvollen Pfauen, die den Reichtum und die Würde des Landes zeigten.
✨ Licht, Zeit und Veränderung
Es waren lauter kraftvolle Motive, und in den Bildern war auch Gold verarbeitet – Blattgold, das das Licht auf eine ganz besondere Weise reflektierte.
Und jeder Raum sah zu jeder Tageszeit anders aus. Alles war so abgestimmt, dass zu jeder Zeit die passende Energie im Raum war – durch Farben, Licht und Motive.
Es war, als würde der Raum selbst mit der Zeit mitgehen.
Noch etwas, das mich sehr fasziniert hat: Früher gab es in Japan keine Tiger. Deshalb ließen sie sich Schriftrollen aus China bringen, auf denen sie zum ersten Mal ein Bild eines Tigers sehen konnten.
Das Spannende daran: Auf diesen Schriftrollen war eine Tiger-Mutter mit drei Tigerbabys und einem Leopardenbaby zu sehen. Dadurch dachten sie lange Zeit, dass Tiger und Leoparden zusammengehören. Deshalb sieht man sie in vielen Kunstwerken auch gemeinsam dargestellt.
Ich fand es so faszinierend, welchen weiten Weg diese Schriftrollen zurückgelegt haben – nur damit Menschen sehen konnten, wie ein Tier aussieht, um es dann selbst malen zu können.

🎏 Wenn sich Werte verändern
Außerdem fand ich es unglaublich spannend, dass die Kunst dort auch einmal verändert wurde.
Als sich das Oberhaupt und die politische Ordnung änderten, wurden auch die Kunstwerke angepasst. Denn die Menschen glaubten, dass Kunst Tradition und Werte weitergibt – und wenn sich diese Werte verändern, verändert sich auch die Kunst.
Es war unglaublich eindrücklich für mich und hat mir so viel Inspiration gegeben.
Und vielleicht war es genau diese Begegnung mit der Kunst, die in mir noch etwas weiter geöffnet hat.
Die nächsten Tage entspannten wir. Am Morgen haben wir uns meist Gebäck aus einer kleinen Bäckerei geholt und nachmittags habe ich gerne das Buch Narnia gelesen — ich liebe dieses Buch so sehr. & sonst bin ich auch gerne spazieren gegangen.
Ich spazierte oft entlang eines kleinen Flusses, der etwas tiefer zwischen Bäumen und der lebendigen Straße floss. Von dort unten konnte man das alltägliche Leben beobachten, während man selbst in seiner Ruhe entlangging.
Ich hörte auch dort gerne Musik und schrieb immer wieder Inspirationen auf, die mir in letzter Zeit kamen.




🎐 Wenn Pläne plötzlich anders laufen
Nach ein paar Tagen gingen wir dann auch schon weiter. Und dann geschah etwas, das uns jetzt schon zum vierten Mal passiert ist: Wir haben das Hotel zum falschen Zeitpunkt gebucht.
Diesmal zwar nicht am falschen Tag – sondern im falschen Jahr. Wir hatten es für 2027 gebucht. Das bemerkten wir erst, als wir im Hotel angekommen waren.
Das einzige Hotel, das noch frei war, lag zwei Stunden entfernt.
Da wir noch nicht hinein konnten, habe ich mir überlegt, noch einen Tempel zu besuchen, der noch in der Nähe war. Erwin setzte sich währenddessen in den Park, um zu lesen.
Ich machte mich also auf den Weg. Und schon allein der Weg dorthin war unglaublich. Rundherum waren kleine Tempel, große Gärten und Parkanlagen. Es war wie ein kleines Abenteuer.




Alles war so weitläufig, dass man schnell den Überblick verlieren konnte. Irgendwann kam ich in einen Wald und entdeckte dort ein kleines Dorf. Das war sehr besonders.
Schließlich fand ich meinen Weg zurück und ging noch weiter nach oben, bis ich an einen alten Friedhof kam – mit einer wunderschönen Aussicht über Kyoto.
Am Abend gingen wir dann zu unserem neuen Ort und wurden von einem unglaublich lieben Paar empfangen.
Es war kein klassisches Hotel, sondern eher ein Haus, in dem sie ein Zimmer vermieteten. Sie luden uns direkt ein, mit ihnen zu Abend zu essen.
Zum ersten Mal entdeckten wir dort auch eines der typisch japanischen Möbelstücke: einen Kotatsu.
Das ist ein Tisch mit einer integrierten Heizung darunter. Darüber liegt eine große Decke und oben eine Platte, auf der man essen kann.
Die Japaner lieben das – man sitzt am Boden, hat die Decke um sich und es ist wunderbar warm, auch wenn der Raum rundherum kalt ist.


🎂 Eine Geburtstagsgeschichte
Am nächsten Morgen, als unsere Gastgeberin erfuhr, dass ich Geburtstag hatte, schenkte sie mir ein kleines, selbstgenähtes Täschchen.
Und dann zogen wir auch schon wieder weiter. Doch erstmals gingen wir frühstücken. 🧡 Und dort gab mir Erwin sein Geschenk.
Ich hatte schon entdeckt, dass es ein Buch ist. Doch in all der gemeinsamen Zeit auf unserer Reise habe ich nie gesehen, was darin ist. Diesmal durfte ich es öffnen.
Und dann hielt ich es zum ersten Mal in meinen Händen.
Es war eine Geschichte. Mit Bildern, die er selbst gemalt hatte. Ein humorvolles Gedicht, verbunden mit den Fragen des Lebens, die ihn beschäftigen.
Er erzählte mir, dass ihm die Idee während einer Autofahrt kam, auf dem Weg nach Hause. Und dass er sofort das Gefühl hatte, dass es mich zum Lachen bringen würde. & somit hat er die Idee auf unserer Reise verwirklicht.


🦌 Zwischen Rehen und Kirschblüten
Unser nächster Halt war Nara.
Nara ist berühmt für seinen Rehpark – ein Ort, an dem viele Rehe leben und von Besuchern gefüttert werden können.
Das Besondere ist, dass sich die Rehe verbeugen, bevor sie einen Rehkeks bekommen. Das war schon faszinierend zu sehen.
Ich habe mich dort auch mit einem Hirsch angefreundet. Wir standen eine Weile zusammen, und es war ein ganz schöner Moment.




Und gleichzeitig kam in mir auch ein anderes Gefühl auf.
Denn so, wie es heute ist, fühlte es sich für mich nicht ganz stimmig an, die Tiere so außerhalb ihres natürlichen Lebensraums zu sehen – mitten in der Stadt und auch als Teil einer Touristenattraktion.
Und doch weiß ich auch, dass sie schon sehr lange hier sind.
Früher galten sie als heilige Tiere und lebten rund um die Tempel und im Dorf – allerdings war dieses damals noch viel stärker von Wäldern und Natur geprägt.
Heute hat sich das verändert. Die Stadt ist gewachsen, der Tourismus hat zugenommen – und die Rehe sind geblieben
🌸 Erste Zeichen von Frühling
Wir gingen dann weiter und entdeckten, dass die ersten Kirschblüten zu blühen begannen. Es war wunderschön zu sehen.
Am Abend gingen wir noch Sushi essen und ließen meinen 22sten Geburtstag ausklingen.


Wenn ich zurückblicke auf all das, was in dieser Zeit passiert ist, kommen mir so viele kleine Begegnungen in den Sinn. Zum Beispiel die liebe Frau, die uns immer freundlich zuwinkte. Sie verkaufte Kimonos, und als wir schließlich mit ihr ins Gespräch kamen, schenkte sie uns einen Flyer. Darauf hatte sie ihren gesamten Lebensweg festgehalten – selbst gestaltet, persönlich und mit großer Hingabe. Sie gibt ihn jedem Gast, erzählte sie uns, weil sie gerade erst neu in dem Unternehmen ist.


Mich hat dieses Engagement tief beeindruckt. Und nicht nur das – überall sehe ich, mit wie viel Sorgfalt und Ruhe die Menschen hier ihrer Arbeit nachgehen. Ordentlich, aufmerksam und mit einer spürbaren Anteilnahme.
Auch diese besonderen Alltagsmomente bleiben hängen: Männer in Anzügen, die in bunten Fast-Food-Läden sitzen – wobei „Fast Food“ hier oft ganz anders ist als bei uns.
Und dann sind da noch die vielen kleinen, skurrilen, manchmal fast surreal wirkenden Szenen, die eine ganz eigene Welt eröffnen.
Doch bevor ich mich in all diesen Eindrücken verliere, mache ich hier einen Punkt. Was bleibt, ist das Gefühl, dass wir hier in Japan in eine andere Welt eingetaucht sind – eine, die es sich für jeden lohnt zu entdecken, der neugierig genug ist, sie selbst zu erleben.
Beim nächsten Mal nehme ich euch mit nach Nara und erzähle euch von unserer Zeit dort bis hin zu unserem Abschluss in Osaka.
Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit und sende euch ganz liebe Grüße. 🧡🌿
Empfehlungen & Gedanken
Der erste Monat in Japan war unglaublich spannend für uns. Gerade für mich, die Kunst und Essen liebt, ist es ein wunderschöner Ort. Tokio ist unglaublich vielfältig und lässt einen in eine ganz andere Welt eintauchen, während Kyoto einen tiefer in die Geschichte und Kultur dieses Landes führt.
Wir genießen die Zeit hier sehr und können euch einen Besuch auf jeden Fall empfehlen. Am angenehmsten ist es wahrscheinlich in den wärmeren Monaten, da sich dann noch mehr Möglichkeiten bieten. Aber auch die kältere Zeit hat ihren ganz eigenen Zauber.




Danke, dass du hier bist.
Wenn du etwas für dich mitnehmen konntest, ist das ein Geschenk für mich. Ich freue mich auf alles, was kommt – auf unsere Gedanken, Begegnungen, Abenteuer. Ich sende dir eine Umarmung und ganz viel Liebe.
Von Herzen, Eure Fiona 🧡🌿
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lass gerne einen Kommentar da oder schreib mir, wenn du Gedanken zu diesem Brief hast. Und wenn du lieber still mitlesen möchtest, ist das auch gut, denn ich spüre dich im Herzen. 🧡🌿
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